93 Jährige Harzer Kulturfrau pflanzt im Solling eine Eiche gegen das Vergessen

 

Ehemalige Baumpflanzerinnen aus Südniedersachsen erinnern an die “Stunde Null“ im Wald 

(Silberborn / Neuhaus) Rund zwanzig ehemalige Baumpflanzerinnen aus Südniedersachsen trafen sich gestern im Wald bei Silberborn und pflanzten junge Laubbäume. Die 93 Jährige Ina Langner aus Osterode am Harz setzte eine Eiche vor einen Fichtenwald. Als so genannte Kulturfrauen hatten Ina Langner und ihre Kolleginnen die abgeholzten Wälder in den Nachkriegsjahren wieder aufgeforstet. An diese “Stunde Null“ in ihren Wälder wollten die Niedersächsischen Landesforsten erinnern. Die Forstämter Dassel und Neuhaus hatten am Dienstag einige Kulturfrauen als Zeitzeuginnen eingeladen, die nach 1946 die riesigen Kahlflächen wieder bewaldet hatten. 

„Kaum jemand weiß heute noch, dass der Wald in Niedersachsen in weiten Teilen aus Frauenhand stammt“, sagte gestern Forstamtsleiter Walter Hennecke. Zu der gemeinsamen Pflanzaktion waren Frauen und Männer aus den Landkreisen Northeim, Osterode, Goslar, Holzminden und Höxter angereist. Auszubildende für den Forstwirtberuf halfen den 70- bis 90- Jährigen, die jungen Eichen und Buchen auf der so genannten “Großen Blöße“ bei Silberborn zu pflanzen. Dort wachsen auf der höchsten Erhebung des Sollings ausgedehnte Fichtenwälder, die vor 70 Jahren als Reinbestände angelegt wurden. „In einem Wettlauf gegen die Zeit haben damals hunderte Kulturfrauen aus den Sollingdörfern die endlosen Blößen begrünt“, erklärte Thomas Reulecke. Der Forstamtsleiter aus Dassel kennt die Gründe, warum überwiegend Nadelwald auf den Kahlflächen angelegt wurde. „Es mangelte nach dem Krieg an allem. Nicht nur Lebensmittel, Brennholz und Arbeitskräfte fehlten, auch junge Laubbäume waren nicht ausreichend vorhanden, um die Lücken in den Wäldern zu schließen“, so Reulecke weiter. 

In Folge der starken Übernutzung der Wälder seit den 1930er Jahren bis etwa 1950 entstanden in Niedersachsen unvorstellbare 140 000 Hektar Kahlflächen im Wald. In den Landesforsten allein 60 000 Hektar, die Jahr für Jahr mit etwa 24 Millionen Setzlingen bepflanzt wurden – eine unglaubliche Leistung. „Ohne die Kulturfrauen, den Trümmerfrauen des Waldes, gäbe es wahrscheinlich den Wald, wie wir ihn heute kennen, nicht“, betonte Walter Hennecke bei der anschließenden Feierstunde im Wildparkhaus in Neuhaus. Dorthin hatten die Landesforsten zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Nach historischen Rückblicken und angeregten Gesprächen über alte Erlebnisse, überreichten Forstamtsleiter Hennecke und Reulecke jeder ehemaligen Kulturfrau eine eigens geprägte Gedenkmedaille.  

Weitere Informationen als Film, Podcast oder als Bildergalerie für historisch Interessierte unter www.landesforsten.de

Quelle: Michael Rudolph, Niedersächsische Landesforsten

 

 

Ein Gedanke zu „93 Jährige Harzer Kulturfrau pflanzt im Solling eine Eiche gegen das Vergessen

  1. Als schnellwachsendes Holz tragen die Nadelhölzer der Fichte, oder auch Tanne zur Sicherung unzähliger Arbeitsplätze bei. Auch wenn es in der Forstwirtschaft Stimmen gibt, welche die fichte gern als unerwünschte Monokultur gern beseitigen möchten, sei durch deren schnellen Nachwuchs auf die Bedeutung für die Industrie und damit auf die Sicherung der Arbeitsplätze hinzuweisen. Was man selbst hat, nämlich Nadelholz, braucht nicht importiert zu werden, gleichzeitig sichert man mit dem Erhalt des Bestandes an Nadelhölzern die Existenzgrundlage vieler menschen in unserem Land, was man bei dieser Debatte nicht außer acht lassen darf.

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