Rückblick Forstfrauentagung

Exkursionsbericht für Freitag, 04.09.2026

Waldbau im Weinbauklima
– zwischen Muschelkalk und Buntsandstein –
Welche neuen Hoffnungsträger können klimabedingte Ausfälle ersetzen?

Forstamtsleiterin Marieke Plate / im Landratsamt Tauberbischhofsheim / Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg und Revierleiterin Selina Utz / Revier Werbach / ca. 2400 ha / Kommunal- und Kleinstprivatwald (ca. 1000 Privatwaldbesitzende)

1. und 2. Exkursionspunkt: Aufforstung nach Borkenkäfer

Wir stehen vor einer 11 ha großen, aufgeforsteten Fläche, die im Herbst 2022 erste Anzeichen von Borkenkäfern in der Küstentanne am oberen Hang zeigte, 20 – 30 Stück wurden in einem ersten Arbeitsgang geräumt. Im Frühjahr 2023 waren plötzlich auch einige Douglasien rot und nach der weiteren Kontrolle wurden erst mal 3,7 ha Fläche geräumt, vom Oberhang bis zum Waldweg auf der Mitte des Hangs. Leider hat der Borkenkäfer den Weg übersprungen und auch den Unterhang befallen, so dass im Jahr 2024 auch dieser, unter schwierigen Bedingungen, wegen der unterhalb gelegenen Bundesstraße eingeschlagen wurde. Einige wenige Douglasien blieben stehen, es wurden aber zusätzlich an der Seite 3 Felder bislang unbefallene Bäume gefällt, um ein weiteres einwandern des Käfers auf angrenzende Bestände vorzubeugen.

Frühzeitig wurde die FVA ( Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt BW) beratend dazu geholt, da eine so schnelle Ausbreitung des Borkenkäfer-Befalls ungewöhnlich war.

Es zeigte sich, das 3 Borkenkäferarten hier gemeinsam arbeiteten (westl. Küstentannen-BK, der krummzähnige BK und der mittlere BK). Es entstand eine Schadfläche von ca. 10 ha, mit hauptsächlich Küstentanne und Douglasie im Alter von 60 – 70 Jahren, welche außerordentlich entnommen wurden.

Die Fläche wurde „sauber“ geräumt und sogar sämtliches Kronenmaterial (X-Holz) gehackt, da die Borkenkäfer auch in die kleinen Äste der Krone gingen. Anschließend wurden die Flächen mit verschiedenen Baumarten bepflanzt:

Eiche und dienende Hainbuche / Linde, Elsbeere, Speierling und Mehlbeere im Verband, sowie Lärche und Edelkastanie, bzw. kleinere Verbände mit Bergahorn und Edelkastanie oder Orientbuche und ein paar Fichten sowie Roteichen. Die Pflanzungen wurden fast alle mit dem Hohlspaten durchgeführt.

Da nur noch ein Forstwirt in dem Revier beschäftigt ist, wurden die Pflanzarbeiten durch Unternehmer ausgeführt. Das hat aufgrund von sehr guter Vorbereitung mit sehr detaillierten Pflanzplänen/Kartenmaterial und täglicher Kontrolle vor Ort zur großen Zufriedenheit aller Beteiligten funktioniert.

Leider zeigte sich, dass sogar die junge Naturverjüngung von Küstentanne und Douglasie von den Borkenkäfern befallen wurde, so dass die beiden Baumarten nicht mehr genutzt werden.

Da der Wilddruck auf der Fläche unter dem alten Jagdpächter sehr hoch war, mussten die Pflanzungen geschützt werden, dies geschah durch Wuchshüllen und / oder Zäunung.

Es wurden zum Großteil die Wuchshüllen von Tubex verwendet, trotz der bekannten Problematiken wie Entsorgung und generell Plastik im Wald. In Versuchen mit 14 verschiedenen Wuchshüllen, wurde keine zufriedenstellende Alternative gefunden. Zumal die Tubex aufgrund ihrer Bauart die einzige Wuchshülle ist, die auf Freiflächen in der Lage ist die Feuchtigkeit der Nacht innerhalb der Hülle zu halten.

Mit dem neuen Jagdpächter zeigen sich Verbesserungen. Es bleibt allerdings dabei, dass das Thema Jagd insgesamt schwierig bei den Kommunen zu platzieren ist.

3. Exkursionspunkt: Eichennaturverjüngung

Nun stehen wir in einem Eichen – „Luxusbereich“. Hier wurden 2025 1000 Fm 180 jährige Eiche und Buche, auf ca. 11 ha eingeschlagen. Buchennaturverjüngung war in einzelnen Bereichen schon da und wurde auch gelassen, die Eichennaturverjüngung kommt durch die Lichtstellung wie „Haare auf dem Hund“. Wir haben uns kaum getraut die Fläche zu betreten, da überall NV-Eiche stand.

Schießen – Essen – Genießen, lautet hier der Auftrag für den Jagdpächter, da kein Wildschutz geplant ist. Es gibt keinen Abschussplan, aber alle 3 Jahre ein Verbissgutachten, welches über die Fortführung des Pachtverhältnisses entscheidet. 2025 wurden alleine auf dieser Fläche 31 Stück Wild, hauptsächlich Rehwild geschossen.

Solch großen Eingriffe erfordern viel Kommunikation mit der Kommune und der Bevölkerung, waldbauliche Ziele müssen erklärt werden, da die Bestände schon sehr „gerupft“ aussehen.

Ein Grund für den großen Eingriff sind Klimaanpassungsmaßnahmen, wenn viele alte Bestände mit fast 200jähriger Eiche da sind, muss Initiative ergriffen werden, um auch Erfahrungen sammeln zu können, für die weitere Umwandlung von alten Beständen.

Waldentwicklungstypen können Hinweise geben für die Bestandesplanung, letztendlich muss aber die Realität entscheiden. Es gibt Hinweise, dass die Buche, auch wenn sie in der Naturverjüngung gut dasteht, mit den heißen, trockenen Sommern auf Buntsandstein nicht gut zurecht kommt und die Eiche auf Dauer bessere Chancen hat. Bonitäten verändern sich und alte Normalitäten lösen sich auf, damit auch die Bestandesbehandlung. Dies alles auch schneller, als wir Försterinnen Erfahrungen machen können. Selina Utz versucht durch blockweise Mischung mit Amberbaum, Taxus oder Schwarznuss ( je ca. 150 Stk) , Baumarten zur Risikominderung auszuprobieren, um „neue“ Erfahrungen machen zu können. „ Versuch macht klug!“ Biodiversiät ist wichtig und sollte auch bei der Beschaffung von Saat- oder Pflanzgut eine größere Rolle spielen.

Wir besuchen den Großprivatwald
des Fürstenhauses Löwenstein Wertheim Freudenberg
– Revier Kirchhof in Schollbrunnn im Spessart
beförstert durch die Boscor-Gruppe –

Revierleiter Esra Baumann – ausgebildeter Forstwirt und Forsttechniker

Die Boscor-Gruppe ist der größte Forstdienstleister in Deutschland und betreut ca. 50.000 ha Wald. Von den 30 Revieren innerhalb der Gruppe werden fünf von Frauen geleitet. Die Reviere sind zwischen 800 und 2000 ha groß. Insgesamt ist die Boscor-Gruppe Arbeitgeber für 220 festangestellte Personen. In der Verwaltung sind mehr als 50% der angestellten Personen Frauen.

Baumartenverteilung im Großprivatwald: 60 % Laubholz, und 40 % Nadelholz

32% Buche 14% Fichte 10% Douglasie 12% Kiefer

Größe des Privatwaldes: ca. 3000 ha, davon 50% der Fläche in Bayern und 50% in Baden-Württemberg

4. Exkursionspunkt: Jagdkonzept „Wald vor Wild“

Wir befinden uns auf ca. 300 Höhenmeter im Buntsandstein des Spessarts. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt im Mittel bei 750 mm. Jährlicher Hiebssatz 28.000 fm, jährlicher Zuwachs 9 fm/ha

Der Vorrat pro Hektar wurde in den letzten Jahren auf 200 fm gesenkt, da der Zuwachs ganz bewusst auf die Verjüngung der zum Großteil einschichtigen Bestände gelenkt werden soll. Dies ist der ausdrückliche Wunsch des Eigentümers obwohl damit kurzfristig Verluste in Kauf genommen werden. Das Ziel ist über diesen Weg einen klimaangepassten Mischwald aufzubauen.

Über einen vierjährigen Einschlagsturnus auf allen Flächen wird versucht die möglichst maximale Baumartenmischung zu erreichen und zu erhalten. In der (Natur)Verjüngung befindet sich zum ganzen Teil flächig Weiß-Tanne, Eiche, Ess-Kastanie, Buche, Ahorn, Fichte und Douglasie.

Die vorher verpachtete Jagd wurde mit dem Generationswechsel des Eigentümers in Eigenregiejagd umgestellt. Dies heißt, die Boscor-Förster organisieren kostenlose Begehungsscheine, allerdings ist auch eine Strecke zwischen 20-28 Stück Rehwild pro 100 Hektar erwünscht. Die Förster kümmern sich um das Aufstellen der Hochsitze auf sogenannten „ Hallo-wach-Schneisen“ die möglichst in allen 4 Himmelsrichtungen nutzbar sind. Je 10 ha, steht ein Sitz. Die Schneisen werden im Juli gemulcht und eine rege Jagdtätigkeit in der Zeit danach wird erwartet. Für die 330 ha Wald, werden 5000 € fürs Mulchen ausgegeben.

Alles ist frei und es werden auch 6-8 Stück Rotwild auf den 330 ha geschossen.

Die Jagd ist in Bayern vom Landwirtschaftsministerium, auf Wunsch von Minister Aiwanger, ins Wirtschaftsministerium verlegt worden. ( Ein Schelm wer Böses dabei denkt.)

Das Ziel der Jagd in den fürstlichen Wäldern ist alleine ein „günstiges“ Verbissgutachten.

5. Exkursionspunkt: Frühzeitige Umwandlung eines Fichtenreinbestandes

Wir befinden uns zum Abschluss in einem ca. 60 jährigem Fichtenbestand.

Die Fragestellung vor einigen Jahren war hier: Wie die Monokultur Fichte mit ausschließlichem „Unterstand“ von Moosen und Steinpilzen in einen Mischbestand umwandeln? Der Vorrat belief sich auf über 300 fm/ha.

Der Einschlagsturnus von im Betrieb üblichen vier Jahren wurde hier auf zwei Jahre verdichtet mit einem Einschlagsvolumen von 25 fm/ha pro Eingriff hier, wurden damit deutliche Zuwachsverluste in Kauf genommen, da noch vor dem optimalen Zuwachs ein größerer Teil des Vorrates abgeschöpft wurde.

Im Ergebnis zeigt sich eine vitale Naturverjüngung mit Douglasie, Eiche, Weiß-Tanne und Buche. Die Frage warum sich in diesem Bestand so gut wie keine Fichte verjüngt musste offen bleiben.

Tanja Wohlers und Ute Hindorff

 

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